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PRAKOS: Pilotlehrgang „Kommunikation und Kooperation mit Spontanhelfenden“ an der THW-Bundesschule in Neuhausen

In der Zeit vom 11.–13.10.2017 fand an der THW-Bundesschule, Standort Neuhausen a. d. F., der Pilotlehrgang „Kommunikation und Kooperation mit Spontanhelfenden“ statt. Eingeladen waren hierzu Zugführerinnen und Zugführer aus allen Landesverbänden.

In der Zeit vom 11.–13.10.2017 fand an der THW-Bundesschule, Standort Neuhausen a. d. F., der Pilotlehrgang „Kommunikation und Kooperation mit Spontanhelfenden“ statt. Eingeladen waren hierzu Zugführerinnen und Zugführer aus allen Landesverbänden.

Der Lehrgang wurde im Forschungsprojekt PRAKOS (Praktiken und Kommunikation zur aktiven Schadensbewältigung)inKooperationmit der THW-Bundesschule Neuhausen a. d. F. entwickelt.

Wissenschaftliches Ziel von PRAKOS ist die Analyse von Kommunikation und Interaktion bei der Bewältigung von Schadenslagen, insbesondere zwischen BOS-Einsatzkräften und Spontanhelfenden. Konkret geht es

·         um die Zusammenarbeit verschiedener BOS-Einsatzkräfte/Einsatzorganisationen

·         um Kommunikation und Interaktion zwischen BOS-Einsatzkräften und Teilen der Bevölkerung, insbesondere Spontanhelfenden,

·         um den Einfluss politischer Akteure und Dynamiken, wie auch der Rolle der (sozialen) Medien, sowie

·         um praktische Lehren für die zukünftige, effektive Schadensbewältigung.

Dazu wurden im Projekt umfangreiche Daten erhoben und ausgewertet. Die Praxispartner THW und vfdb sowie die wissenschaftlichen Partner, der Lehrstuhl für Technologiemangement der CAU und das Institut für Politikwissenschaften der UniBwM, befragten zahlreiche ehren- und hauptamtliche Einsatz- und Führungskräfte aus allen Führungsebenen zu ihren Erfahrungen mit ausgewählten großen Einsatzlagen der letzten Jahre. Darüber hinaus führte der Lehrstuhl für Technolgiemanagement Interviews mit Spontanhelfenden durch. Teilnehmende von Führungslehrgängen der THW-Bundesschule Neuhausen a.d.F., des Lehrbereichs Führung, stellten sich in Fokusgruppen den Fragen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zusätzlich wurde vom Lehrstuhl im Jahr 2016 eine Online-Befragung durchgeführt. Mehr als dreitausend Einsatz- und Führungskräfte von THW und Feuerwehr beteiligten sich daran.

Auch an dieser Stelle dürfen wir uns bei allen, die mitgewirkt haben, für diese Unterstützung vielmals bedanken!

Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Erstellung von Schulungsmodulen ein, um die existierenden Potenziale zur Bewältigung von Großschadenslagen optimal zu nutzen und damit die Bedingungen für BOS-Einsatzkräfte in zukünftigen Einsätzen zu verbessern.

Die inhaltliche Gestaltung dieses Pilotlehrgangs erfolgte in enger Abstimmung mit der THW-Bundesschule Neuhausen a. d. F., Lehrbereich Führung in Form von sogenannten Modulen:

·         Modul 1: „Spontanhelfende – der unterschätzte Einsatzwert?!“

·         Modul 2: „Aspekte des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes und Rechtsgrundlagen aus Sicht des THW“

·         Modul 3: „Praktiken und Kommunikation zur Schadensbewältigung (Fallstudie)“

·         Modul 4: „Einsatzübung/Planspiel: Zusammenarbeit eines ZTr mit Spontanhelfenden“

Im Planspiel wurden die im Lehrgang vermittelten Inhalte praktisch umgesetzt. In drei Zugtrupp MTW des THW und einem Einsatzleitzleitwage der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen wurde die Führung der THW-Einsatzkräfte in einem Unwetterszenario nach einem Sturm geübt. Im Szenario wurden die Einsatzkräfte in vier Interaktionen mit Spontanhelfenden (dargestellt durch die Freiwillige Feuerwehr Neuhausen) konfrontiert und konnten ihre erworbenen Kenntnisse praktisch anwenden.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden, den teilnehmenden Einsatzkräften, der THW-Bundesschule, Standort Neuhausen a.d.F. und der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen  für ihre Unterstützung!

Der Lehrstuhl für Technolgiemanagement evaluiert den Lehrgang und stellt die Ergebnisse auf der Abschlusskonferenz des Projektes am 8. Dezember 2017 in Hamburg vor.

Inhalte des Lehrgangs

·         Das „Phänomen Spontanhelfende“ und seine Erkennungsmerkmale, u. a.

o    Begriffsdefinitionen „Spontanhelfende“

o    Einsatzwert (Harmonie von „Ausbildung – Ausstattung – Auftrag“) von Spontanhelfenden: können eine wertvolle Ressource sein, z. B. Ortskenntnisse, fachliche Qualifikationen, schnelle Verfügbarkeit, Sprachkenntnisse etc.

·         Stärkung eines Bewusstseins für Eigen- und Fremdbilder zwischen THW und Spontanhelfenden

·         Erkennen von Chancen, Herausforderungen sowie Grenzen der Zusammenarbeit mit Spontanhelfenden, u. a.:

o    Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Arbeits- und Vorgehensweisen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und Spontanhelfenden sowie deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit

o    die Bedeutung von Sozialen Medien für Spontanhelfende

o    Kooperation durch mehr Offenheit gegenüber Spontanhelfenden, um deren Potenziale nutzen zu können (flexible Handlungskompetenz)

o    Verantwortung von BOS-Führungskräften bei der Zusammenarbeit mit Spontanhelfenden, u. a.: Fürsorgeverpflichtungen, Gefährdungen/Gefahrenmerkschema und Gefährdungsbeurteilungen, Ein- und Unterweisungen, Arbeitsmittel und Schutzausrüstungen, Verpflegung und Versorgung sowie Dokumentationen mittels Einsatztagebuch

o    die Verantwortung der kommunalen Ebene als „Auftraggeber“ und allgemeine Rechtsgrundlagen, z. B. Fragen zur Registrierung, zu Unterstellungsverhältnissen sowie zu Versicherungs-, Haftungs- und Schadensersatzansprüchen

·         Empfehlungen und Strategien für eine erfolgreiche Kommunikation/Rhetorik bei der Zusammenarbeit mit Spontanhelfenden

·         Praktische Umsetzung in Form von unterschiedlichen Rollenspielen und Planspielen auf Ebene einer Zugbefehlsstelle/Führungsstelle ohne Stab im THW

·         Arbeiten im Team

Der Pilotlehrgang richtet sich an die Zugführer_innen (ZFü) des THW. Weitere Schulungsmaterialien für die Fachberaterausbildung und die Ausbildung auf Ortsverbandsebene wären ebenfalls denkbar. 

Der Präsident des THW Herr Broemme fasst in seinem Grußwort zusammen, dass der Pilotlehrgang den Anfang eines neuen Weges markiert um sich auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Er nehme wichtige Impulse und Innovationen auf und unterstreiche die Relevanz der Sicherheitsforschung im THW.

Prakos ist ein Verbundprojekt der Partner:  

·         Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (Verbundkoordinator)

·         THW - Technisches Hilfswerk

·         Polizeiakademie Niedersachsen

·         Universität Hamburg, Institut für Volkskunde / Kulturanthropologie

·         Universität der Bundeswehr München, Institut für Politikwissenschaft

·         Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Lehrstuhl für Technologiemanagement
 

PRAKOS wird durch das BMBF im Rahmen des Förderprogramms „Forschung für die zivile Sicherheit“ gefördert. 

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